Migrationskirchen

Idee & Geschichte

„Migrationskirchen Raum geben“  – so kann man die Idee des Zentrums für Migrationskirchen zusammenfassen. Raum geben ganz konkret, indem hier acht Kirchen aus vier Kontinenten bezahlbare Räume finden, um ihr reichhaltiges Gemeindeleben zu entfalten. Raum geben auch in einem weiteren Sinn, indem das Zentrum den Migrationskirchen in der Stadtzürcher Kirchenlandschaft einen Platz einräumt und zu mehr Sichtbarkeit verhilft.

 

Seit den 1980er-Jahren werden die reformierten Kirchgemeinden der Stadt Zürich mit der Realität neuer Schwesterkirchen konfrontiert: Zugewanderte Christinnen und Christen aus Afrika, Asien und Lateinamerika gründen eigene Kirchen. Viele klopfen bei der Suche nach einem erschwinglichen Gottesdienstraum auch bei reformierten Kirchgemeinden an.

 

Die reformierte Landeskirche des Kantons Zürich und der Verband der evangelisch-reformierten Kirchengemeinden der Stadt Zürich haben beschlossen, aktiv den Kontakt zu den neuen Migrationskirchen zu suchen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu entwickeln. 2004 wurde zu diesem Zweck die Arbeitsgruppe Migrationskirchen gegründet. Ein jährliches Treffen evangelisch-reformierter fremdsprachiger Gemeinden wurde organisiert und jeweils am Bettag ein gemeinsamer Gottesdienst „Festival der Migrationskirchen“ gefeiert.

 

Die zündende Idee, ein Zentrum für Migrationskirchen zu schaffen, unter dessen Dach mehrere Kirchen aus aller Welt Gottesdienst feiern, konnte innerhalb weniger Jahre verwirklicht werden. 2006 wurde die Koordinationsstelle für Migrationskirchen (50%) geschaffen und mit dem Kirchgemeindehaus Wipkingen ein geeigneter Ort gefunden. 2007 zogen die ersten Migrationskirchen ein. Der Hauskonvent  – ein monatliches Treffen aller Gemeindeleitenden und der Koordinatorin – wurde geschaffen, um ein gutes Zusammenleben zu gewährleisten. Am ersten Advent 2008 wurde das Zentrum in einem öffentlichen Festgottesdienst feierlich eingeweiht. Die gemeinsame Feier des ersten Advents ist seither zu einer Tradition geworden und zieht jedes Jahr viele Gäste an.

 

Migrationskirchen sind die ökumenische Herausforderung der Gegenwart. Das Zentrum für Migrationskirchen versteht sich als Knotenpunkt zur Entwicklung ökumenischer Beziehungen zwischen der reformierten Landeskirche und evangelischen Migrationskirchen.   

Trägerschaft

Das Zentrum für Migrationskirchen ist eine Institution des Verbandes der stadtzürcherischen evangelisch-reformierten Kirchgemeinden. Der Stadtverband mietet im Kirchgemeindehaus Zürich-Wipkingen Räume, die er an Migrationskirchen günstig weitervermietet. Die Koordinationsstelle (50%) wird je zur Hälfte vom Stadtverband und von der Evangelisch-reformierten Landeskirche des Kantons Zürich finanziert. Sie ist mit der operativen Leitung des Zentrums beauftragt und ist der Kommission für Migrationskirchen unterstellt.

 

Reformierte Kirche Zürich (Stadtverband)

Reformierte Kirche Kanton Zürich

 

 

Mitglieder der Kommission für Migrationskirchen

  • Monika Frieden (Präsidentin), Pfarrerin in Grossmünster, Vorstand Zürcher Stadtverband
  • Barbara Becker, ETH Global, ETH Zürich
  • Dinah Hess, Leiterin Zentrum für Migrationskirchen
  • Natali Velert, Leiterin HEKS Regionalstelle Zürich/Schaffhausen
  • Thomas Ulrich, Dipl. Informatiker - Ing. ETH, Mitglied der Zentralkirchenpflege
  • Jürg Wildermuth, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Schlieren
  • Bettina Lichtler, Pfarrerin, Beziehungen und Ökumene, ref. Kirche Zürich
  • Verena Naegeli, Pfarrerin église réformée zurichoise

Was sind Migrationskirchen?

Als „Migrationskirchen“ bezeichnen wir Kirchen, die von Christinnen und Christen mit Migrationshintergrund gegründet und geleitet werden und zur Mehrheit aus Migrantinnen und Migranten bestehen. Sie schenken ihren Mitgliedern ein Stück Heimat und leisten wichtige Integrationsarbeit. Mit ihrer Begeisterung für den christlichen Glauben möchten sie möglichst viele Menschen in unserer Gesellschaft anstecken.

 

Es gibt eine grosse Vielfalt an Migrationskirchen, die sich in Grösse, Sprache, Nationalität, Theologie und Frömmigkeitsstil stark voneinander unterscheiden. Die einen sind lokal organisiert, andere verstehen sich als „Filialen“ riesiger, transnationaler Pfingstkirchen. Einige sind, allein schon aufgrund der Sprache, ethnisch sehr geschlossen, andere halten mehrsprachige Gottesdienste und sind ausgesprochen multinational. Während einzelne einer traditionellen Denomination zugehören, vertreten viele eine überkonfessionell-charismatische Theologie. Einige treffen sich in Privatwohnungen, andere sind bei lokalen Kirchen zur Untermiete, wieder andere können sich die Miete eigener Gewerberäume leisten.

 

In der Stadt Zürich gibt es rund 60 Migrationskirchen aus dem afrikanischen, lateinamerikanischen und asiatischen Raum. Den Überblick zu behalten ist schwierig, da es jedes Jahr zur Neugründung, aber auch zur Schliessung von Kirchen kommt.